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News vom 21. Februar 2010
© ddpVerkehrsbetriebe weisen Bericht über Versäumnisse zurück
Düsseldorf/Köln (ddp-nrw). In der Affäre um den Bau der Kölner U-Bahn hat es möglicherweise gravierende Versäumnisse bei der Bauaufsicht gegeben. So berichtete das Nachrichtenmagazin «Focus» unter Berufung auf Ermittlungen der Kölner Staatsanwaltschaft, die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) hätten als Bauherr entgegen allen Regeln an den Baustellen Waidmarkt und Heumarkt selbst die Bauüberwachung ausgeübt. Nach Aussagen etlicher Bauarbeiter sei faktisch keinerlei Bauaufsicht an Ort und Stelle gewesen.
Demgegenüber verwies ein Sprecher der KVB am Sonntag darauf, dass die Aufsicht des Unternehmens sehr wohl an der Baustelle gewesen sei. Dies würde durch eine Vielzahl von digitalen Bildern und Protokollen belegt. Dennoch seien die Verkehrsbetriebe «entsetzt und fassungslos über immer wieder neue Erkenntnisse über eklatante Baumängel». Schon kurz nach dem Einsturz des Stadtarchivs am 3. März 2009 habe die KVB eine unabhängige anwaltliche Prüfung der Bauüberwachung eingeleitet. Mit ersten Ergebnissen ist im März zu rechnen. «Aufgrund der Komplexität und Materialfülle konnte bisher kein Ergebnis vorgelegt werden», betonte der Sprecher weiter.
Nach Angaben aus Ermittlerkreisen hätten die Stadt, deren Firmentochter KVB und die der Arbeitsgemeinschaft der Baufirmen (ARGE), ferner Alarmsignale vor dem Archiveinsturz übersehen, schrieb «Focus» weiter. Am Waidmarkt habe den U-Bahn-Bauern immer wieder der Einbruch von Grundwasser zu schaffen gemacht. Seit Herbst 2008 habe es laut Werkprotokollen erhebliche Wasserprobleme in der Baugrube gegeben. Weder Bauleiter noch Bauaufsicht hätten aber den zuständigen Prüfstatiker Rolf Sennewald über die Schwierigkeiten informiert. Nach dessen Aussage wäre dann ein sofortiger Baustopp fällig gewesen.
In den vergangenen Tagen waren bereits erhebliche Fälschungen und Baumängel an mehreren Baustellen der Kölner U-Bahn bekanntgeworden. Probleme an der unterirdischen Baustelle am Waidmarkt gelten als wahrscheinlichste Ursache für den Einsturz des Stadtarchivs, bei dem zwei Männer starben und unzählige Kulturgüter verschüttet wurden.
Als Reaktion auf die Kölner Vorkommnisse fordert die Bezirksregierung Düsseldorf Änderungen an den Bestimmungen zur Bauaufsicht bei U-Bahnprojekten. Die Bezirksregierung ist die für den U-Bahn-Bau in Nordrhein-Westfalen zuständige Aufsichtsbehörde. Sie kritisiert, dass es knapp ein Jahr nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs noch immer keine gesetzliche Regelung gebe, die bei Straßenbahn- und U-Bahnprojekten eine grundsätzliche Trennung von Bauaufsicht und Bauausführung gewährleiste. Hier müsse Klarheit geschaffen werden, sagt der Verkehrsdezernent der Bezirksregierung, Matthias Vollstedt.
Erst nach dem Archiveinsturz war die Bauaufsicht an externe Dritte übertragen worden. Dieses Vorgehen basiert bislang jedoch auf Freiwilligkeit. Die NRW-Landesregierung lehnt Änderungen bislang ab.
Angesichts der neuen Enthüllungen hat Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) die am U-Bahnbau beteiligten Firmen zu einer öffentlichen Stellungnahme aufgefordert. Vorstandschef Herbert Bodner von der federführenden Baufirma Bilfinger Berger solle sich in Köln persönlich den Fragen der besorgten Bürger stellen, forderte Roters. Dafür plant die Stadt eine öffentliche Veranstaltung.
Am Freitag war zudem bekanntgeworden, dass im Zusammenhang mit dem Bauskandal bei der Kölner U-Bahn auch die ICE-Strecke München-Nürnberg untersucht wird. Die Staatsanwaltschaft hatte dem bei dem Kölner Großprojekt federführenden Baukonzern Bilfinger Berger mitgeteilt, dass auch an der ICE-Strecke in Bayern der Verdacht auf fehlerhafte angebrachte Anker bestehe. Dies bestätigte ein Sprecher der Kölner Behörde am Samstag. Der Konzern war bei dem Projekt am Bau von drei der neun Tunnel beteiligt. (ddp)
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